Kampfringen im Seckbacher Puff (Rezension FAZ)

 


(Frankfurter Allgemeine Zeitung, Kultur, 15.04.2003, Nr.89, S.52)

„Nothing else matters!“ dröhnt es aus den Lautsprechern, während auf einer kleinen Bühne eine spärlich bekleidete junge Frau ihre Muskeln spielen läßt. Im wahrsten Sinne des Wortes - denn es ist Anita Hess, deutsche Meisterin im „Muskelposing“, die sich dort präsentiert. Und ihre Kür ist eine der sportlichen Einlagen, die Carsten Briegers Lesung zu seinem Erstling „Wrestling-Girls und Bistrowagen“ szenisch untermalt und seine Vorliebe für starke Frauen zelebriert.

Die wenigen Zuhörer, die sich zu der Veranstaltung in der Romanfabrik eingefunden haben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Bodybuilder, denen man im Dunkeln nicht begegnen möchte, „Schnecken“ in Solariumsbraun und der ewige Bohemien mit kariertem Schal und brauner Baskemütze sind hier friedlich vereint. Und immer wieder warten sie alle geduldig unter den schlangengleichen Lampen, die sich von der Decke winden, daß es endlich anfängt - oder daß es weitergeht. So passiert während des Abends gut eine Stunde lang dann auch rein gar nichts.

Briegers Reisetagebuch berichtet vom Ende seiner Studienzeit, die er mit einer dreiwöchigen Bahnreise durch Deutschland krönt. Als passionierter Bahnfahrer und Liebhaber „starker Frauen“, also solcher die Kampfsport betreiben, erzählt er von seinen Erfahrungen zwischen Hamburg und München. Er schwärmt von den „blonden Mitropa-Schönheiten“, die ihm Rührei mit Speck und Schinken servieren. Von der charmant lächelnden Monika, die er im Zug kennengelernt hat, und von Katrin, mit der es in einem Puff in Seckbach tatsächlich zum Kampfringen kommt. So intensiv, daß ihm später der gesamte Körper schmerzt. Und er trauert in einem Nachwort der guten alten Zeit nach, in der es noch Mitropa-Bistros in den Zügen gab.

War es eine Lesung? Ja. War es eine ungewöhnliche Lesung? Absolut. War sie gut? Nein. Denn abgesehen von der Warterei kann sich nicht alles, was sich Reisetagebuch nennt, mit der „Deutschlandreise“ eines Roger Willemsen, dem „Irischen Tagebuch“ Bölls oder den Beschreibungen Australiens in Bill Bryons „Down Under“ messen. Und auch den Wahnsinn des alltäglichen Lebens locker-flockig á la „Bridget Jones“ darzustellen ist scheinbar nicht so einfach, wie es den Anschein haben könnte. Egal, ob sich dieser Wahnsinn in London oder während diverser Stationen in ganz Deutschland ausbreitet.

DOROTHEE SCHWARZ

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